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Infotheke: Praxis für Säuglings-

& Kleinkindfragen

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Beratungs- und Unterstützungsangebote zu den Fragen der Säuglings- und Kleinkindzeit können Sie in meiner Praxis anfragen. Termine können per Email oder Telefon individuell vereinbart werden.

Die Beratungsanfragen bearbeiten wir in zwei Schritten:


1. Die Beobachtungsphase zuhause: Mit Hilfe meines Entwicklungsfragebogens beschreiben Sie die Eigenschaften und Wesensbesonderheiten Ihres Kindes und erfassen in einem über ca. sieben Wochentage geführten Tagesablaufprotokolls die alltäglichen Probleme. Nach Zusendung der Unterlagen per Post an meine Praxisadresse verschaffe ich mir einen ersten Einblick.

2. Der folgende Gesprächskontakt: Wir gleichen meine gewonnen Eindrücke mit Ihren Sichtweisen und Bedürfnissen ab und entwickeln gemeinsam praxis- und personennahe Perspektiven zur Verhaltensänderung.
Die Unterstützung beinhaltet unter anderem:

  • Angebote, die den Alltag mit dem Säugling/Kleinkind erleichtern und strukturieren

  • Informationen, die den Eltern einen Einblick in die Erfahrenswelt und die Bedürfnisse ihres Kindes ermöglichen

  • Perspektivenwechsel in die Handlungsweisen und Wahrnehmungen des Partners/ der Partnerin bzw. der Kinder

  • Gezieltes Aufarbeiten und Austausch über die Alltagsschwierigkeiten

  • Verhaltensbestätigung und -sicherung, wie auch Möglichkeiten zur Veränderung und Anpassung

  • Stärkung der elterlichen Kompetenz und Beruhigung des Familienalltages

  • Bewahrung der kindlichen, wie auch elterlichen Individualität / Bedarfe


Kostenfreie Unterstützung, bzw. auf Rezept können Sie an folgenden Adressen erfragen:

  • Babyambulanz Stuttgart, Hohenzollernstraße 26, 70178 Stuttgart

  • Olgahospital - Sozialpädiatrisches Zentrum, Bismarckstraße 8, 70031 Stuttgart

  • Klinik für Kinderneurologie und Sozialpädiatrie - Kinderzentrum Maulbronn, Knittlinger Steige 21, 75433 Maulbronn

  • Klinik für Psychosomatische Medizin und Fachpsychotherapie, Faurndauer Straße 6 - 28, 73035 Göppingen

  • pro familia, Rotebühlstr. 121, 70178 Stuttgart



Unabhängig von einem Beratungsangebot möchte ich Ihnen auf meiner Internetseite wichtige und grundlegende Informationen anbieten:

Schreiende Babys

Babys schreien wenn sie Hunger haben, sich unwohl fühlen, wenn sie getragen sein wollen, wenn sie Ansprache brauchen, wenn sie todmüde sind, wenn sie Nähe brauchen.

Das Schreien dient ihnen als wichtiges Kommunikationsmittel und verursacht bei Eltern sofortige Handlungsbereitschaft – das hat die Natur so eingerichtet. 

Manche Babys schreien jedoch unverhältnismäßig mehr als andere. Es geht ihnen offensichtlich nicht gut, sie haben Blähungen, machen sich steif, wollen nicht abgelegt werden, kommen nicht in den Schlaf und schreien sogar, wenn sie gehalten und getragen werden.
Aber: Kein Säugling schreit sinnlos; die Kinder wollen uns immer etwas sagen. Nur die Übersetzung erscheint kompliziert.

Warum schreien Babys?

"Die Häufigkeit des Schreiens nimmt in unserem Kulturkreis zwischen der zweiten und sechsten Lebenswoche zu, und wird bis zur 14. Lebenswoche kontinuierlich weniger. Dabei sind große individuelle Schwankungen in der täglichen Schreidauer (in Summe) festzustellen: Mit zwei Wochen kann die Schreidauer von ein bis zu zwei, mit sechs Wochen von eineinhalb bis zu drei und mit dreizehn Wochen von einer halben bis zu eineinhalb Stunden pro Tag andauern. Diese Schreiphasen lagern sich überwiegend in der Zeit zwischen 17 bis zu 22 Uhr an." (Remo Largo – Das Babyjahr)



 

Mit dem Schreien signalisiert das Kind seine akuten körperlichen Bedürfnisse: Hunger und Durst, Schmerzen, Krankheit oder Fieber, Frieren oder Schwitzen,  Müdigkeit, eine volle Windeln, Juckreiz usw.



Sowie auch seelischen Nöte: Verlangen nach Nähe und Geborgenheit, Überforderung und Stress, Angst in fremder Umgebung, Angst in Gegenwart fremder Personen, „Langeweile“ = Suche nach Interaktion, seelische Spannungen usw.



...und mit zunehmendem Alter und Komplexität seines Verhaltensrepertoires: Ablehnung, Wut, Ärgernis, Frustration usw.
Häufig beobachtete Signale vor dem Beginn des Schreiens können sein: Stirnrunzeln, Gähnen, Schluckauf, auf die Seite drehen, Arm und Beine wegziehen, aus dem Blickkontakt gehen, Quengeln, sich überstrecken, „unwilliges Aufbäumen“.



Was passiert beim Schreien?

Das Schreien als solches ist für den Säugling weder gefährlich noch schädigend. Die auslösenden Momente aber können belastend bis stressend sein, ebenso kann das Gefühl eines „Alleingelassen-Seins im Schreien“ entstehen. Schreien sollte daher möglichst unverzüglich „beantwortet werden“. 
Das kindliche Schreien ist für unerfahrene Eltern wie auch erfahrene Personen ein aktives Signal. Es weist auf die momentanen Bedürfnislage des Säuglings hin. Mit zunehmenden Entwicklungsalter der Kinder und deren wachsenden Fähigkeiten ihr Schreien zu modulieren können sie sich besser verständlich machen. Die gleichzeitig wachsende Erfahrung der Eltern ermöglicht, dass beide Parteien mit der Zeit immer leichter Kontakt aufnehmen können und Art und Umstand des Schreiens richtig einschätzen.

 



Gelingt den Eltern die Beruhigung ihres Kindes schnell und sicher, z. B. der Säugling stellt das Schreien nach Aufnehmen und Stillen ein, so gewinnen die Eltern an Sicherheit und ihr elterliches Selbstwertgefühl steigt. Weitere Schreiattacken werden mit Gelassenheit und Erfolgssicherheit gelöst. Diese innere Ruhe wiederum vermittelt dem Säugling Stabilität und er lernt sehr schnell: Schreien ist kaum notwendig. Gelingt die Beruhigung jedoch nicht, stellt sich bei den Eltern Nervosität, Unsicherheit und innere Anspannung ein, die sich direkt auf den Säugling auswirkt. Die wechselnden Beruhigungsangebote werden immer fliehender, hilfloser und verursachen beim Kind eher Überreiztheit als Entspannung. 



 

Die Sorge um das Wohl des Kindes, die Erschöpfung und wachsende Verzweiflung verursachen anhaltenden Stress bei den Eltern. Die elterliche Opferbereitschaft, die Angst vor Versagen etc. nehmen Einfluss auf die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung, die vom Neugeborenen registriert wird. 
Das natürliche Wechselspiel zwischen Eltern und Kind kann so beeinträchtigt werden. Zunehmende Irritation stellt sich ein, wenn ein Säugling nicht zu beruhigen ist. Alle Alltagsgeschäfte geraten ins Wanken, ein normaler Tagesablauf ist nicht einzuhalten und die Nerven liegen in kürzester Zeit blank.

Unterschiedliche Theorien zum Schreien


Unterschiedlichste Ursachen werden neben dem natürlichen Schreibedürfnis eines Säuglings diskutiert:

  • 3-Monats-Koliken beinhalten die Idee, dass aufgrund einer Darmunreife, eines ungünstigen Trinkverhaltens etc. Darmkrämpfe entstehen können, die den Säugling nicht zur Ruhe kommen lassen. Lösungsangebote sind hierbei Medikamente, die Blasenbildung der getrunkenen Milch mindern. Oder auch streng eingeführte Still- bzw. Fütterungsrhythmen, die verhindern sollen, dass frische Milch auf vergorene Milch trifft. Einige Kinder reagieren auf diese Lösungsversuche positiv, andere schreien weiter.

  • Traglinge sind Babys, die es nicht dulden können, abgelegt zu werden. Sie machen sich vielmehr bemerkbar, sobald sie den Körperkontakt verlieren. Diese Kinder können schnell zufrieden gestellt werden, indem sie die meiste Zeit am Körper getragen werden. Tragehilfen wie das Tragetuch o. a. sind hierbei notwendig um diese enorme Belastung meistern zu können. Interessant erscheint der Aspekt aus dem Blickwinkel, dass Babys aus Naturvölkern wie auch unter der schwarzen Bevölkerung Nordamerikas vergleichsweise wenig bis gar nicht schreien; sie werden aber auch unverhältnismäßig mehr und ausdauernder getragen als mitteleuropäische Säuglinge.

  • Frühkindliche Regulationsstörungen können ein Indiz dafür sein, dass das Problem im Säugling selbst verankert ist. Der Säugling, bzw. das junge Kleinkind hat Schwierigkeiten in der Verhaltensregulation, d.h. bei der Fähigkeit sich selbst zu beruhigen oder alleine einzuschlafen.
Dieses Verhalten tritt häufig in Kombination mit hohem Interesse an allem was sich bewegt, blinkt und Ablenkung bietet und einer ständigen Aktionsbereitschaft auf („reizoffene Kinder“). Die Kinder scheinen offensichtlich nicht schlafen zu wollen, sind hellwach und wollen alles anschauen. Man geht davon aus, dass diese frühe und extrem hohe Aktionsbereitschaft heftigen Stress im Kind verursacht aber mit dem fortschreitenden Alter besser verarbeitet werden kann.

  • Natürlich können auch Probleme der Mutter (Kindbett-Depressionen, Krankheit etc.), wie auch Probleme im sozialen Umfeld (Drogenmissbrauch, Beziehungsprobleme etc.) und natürlich gesundheitliche Probleme den Säugling zum Schreien bringen um so seine elementare Not mitzuteilen.
     

Die Ankunft eines Babys verändert Vieles

Schreibaby oder nicht: Mit der Geburt eines Kindes stellt sich unser altes Leben auf den Kopf und es bedarf einer mehr oder weniger langen Phase der Neuorientierung. Wurde uns ein stabiler, ausgeglichener Wonnepropen geboren, können wir davon ausgehen, dass wir Zeit haben das neue Leben in den Griff zu bekommen. Haben wir allerdings ein Kind, das Unterstützung und Hilfe braucht, sind wir ab dem ersten Tag gefordert und finden kaum Zeit für eigene Bedürfnisse.

 



Trotzdem haben auch Eltern Rechte: Erholung, Ausschlafen, Genießen, sich auf die Partnerschaft besinnen, Ruhe im Alltag finden. Besonders bei einem schwierigen Säugling ist es umso notwendiger, nach Entlastung zu suchen und ein Hilfesystem aufzubauen, das z. B. aufgrund folgender Fragen installiert werden kann: Wer kann kommen, wenn ich nicht mehr kann? Wo kann ich Hilfe, Beratung, Unterstützung finden?

Entlastungs - Ideen

Erste Aspekte der Entlastung können sein:

  • Milde Rhythmisierung im Tag, d.h. keine abwechslungsreichen Tagesunternehmungen, sondern vielmehr das Gleiche zur gleichen Uhrzeit in der gleichen Art und Weise

  • Stillen/Füttern nach Bedarf um Ruhe und Sicherheit aufzubauen, um zu trösten und zu beruhigen

  • Ohne Angst vor Verwöhnung schnellstmöglich reagieren um ein „Hineinschreien“ zu vermeiden. Dabei kann es auch notwendig sein, dass wir das Neugeborene aufnehmen und mittels einer Tragehilfe (!) tragen

  • Manche Säuglinge reagieren positiv auf das Angebot eines Schnullers

  • Vermeiden vor Überreizung, d.h. häufiges Ablegen zum Schlafen / Tragen in der Tragehilfe zum Schlafen

  • Haltgebend und damit beruhigend kann sich auch das Pucken auf den Säugling auswirken, d.h. das feste Einschlagen in ein übergroßes Tuch

  • Ein Stillen zum Einschlafen oder „Gute-Nacht-Fläschchen“ sind probate Hilfsmittel – sollten aber auch zum Einschlafen führen



Trotz all dieser helfenden Aspekte kann es nun immer noch geschehen, dass das Kind unstillbar weiter schreit. Der Erschöpfungsgrad der Eltern kann tragisch zunehmen und mit dem Heranwachsen des Säuglings können Verhaltensweisen einschleichen, die für sich genommen eine neue scheinbar nicht enden wollende Belastung darstellen. Spätestens, wenn wir Eltern keine Lust mehr auf das Zusammensein mit unserem Kind verspüren, Angst vor dem nächsten Morgen entwickeln oder sogar unsere ansteigenden Aggressionen nicht mehr kontrollieren können, müssen wir verantwortlich handeln und Hilfsangebote aufsuchen. Eine gute Mutter / ein guter Vater misst sich nicht an der Zufriedenheit ihres Kindes, sondern vor allem an der Bereitschaft Lösungen zu suchen und Hilfe anzunehmen, wenn es nötig wird – statt verzweifelt im „Einzelkämpfertum des Eltern-Seins“ zu verharren.

Hier gehts zum Schreibaby - Kurs.

Hier gehts zum Babyschlaf - Kurs.

 
 

Schlafen & Wachen

Unsere Kinder brauchen viel Schlaf. In den ersten Lebenswochen dient er der Verarbeitung täglicher Erlebnisse. Erst mit ca. sechs Lebensmonaten nähert er sich dem Erholungs- und Entspannungsschlaf eines Erwachsenen. Zum Schlaf eines jeden Menschen gehört auch das mehrfache rhythmische Erwachen in der Nacht und wiederholte Einschlafen – ein Lernprozess, der bei Kindern oft eine lange Zeit in Anspruch nimmt.

 



Daneben gibt es jedoch auch Kinder, die es ihren Eltern besonders schwer machen: abends nicht ins Bett gehen, mehrfach in der Nacht rufen/schreien, nicht wieder einschlafen oder Tagesschläfchen ganz auslassen.



 

Fehlender Schlaf belastet sehr schnell die Beziehung zwischen Eltern und Kind und sorgt für unausgeglichene, gereizte Tage, die nicht enden wollen und Angst vor der nächsten Nacht oder dem kommenden Tag aufbauen. Der entspannte Umgang mit unseren Kindern geht verloren. 



 

Kein Kind schläft grundlos und absichtlich schlecht: Meist sind die Kinder genauso orientierungslos wie die Erwachsenen und verstricken sich mehr und mehr in unglückliche Verhaltensweisen. Manchmal reichen kleine Veränderungen oder ein neuer Blickwinkel um das kindliche Verhalten positiv zu beeinflussen zu können.

Was ist eigentlich Schlafen


In unserem Allgemeinverständnis bedeutet „schlafen“ sich zur Abendstunde ins Bett zu legen und am nächsten Morgen erholt aufzustehen. Während des Schlafens träumen wir. Manchmal stehen diese Träume per Erinnerung zur Verfügung – manchmal nicht. Können wir uns an mehrfaches Erwachen in der Nacht erinnern, reden wir meist von einer „schlechten Nacht“ und fühlen uns unausgeschlafen.

Wie sieht Schlaf aus?



Doch Schlafen ist weitaus mehr.


Im REM-Schlaf ("rapid eye movement" = Traumschlaf = Entwicklungsschlaf) liegt eine intensive Durchblutung des Gehirnes vor. REM-Schlaf ist bei der Schlafüberwachung daran erkennbar: Die Augen bewegen sich unter geschlossenem oder halbgeschlossenem Lid sehr schnell hin und her, der Herzschlag und die Atmung können zu und abnehmen und das Gehirn braucht vergleichbar viel Sauerstoff wie im Wachzustand.



Das Neugeborene beginnt seinen Schlaf mit dem REM-Schlaf (=Entwicklungsschlaf) und verbringt 50% seines Gesamtschlafes im Träumen, ab dem 6. Lebensmonat sind es immerhin noch ca. 25%.

 



Was macht das Träumen so wichtig?
"Träume verarbeiten, transportieren und nutzen Wahrnehmungen und Gefühle. Sie haben eine wichtige Funktion beim Erinnern und Vergessen. Im REM-Schlaf trifft das Gehirn in unermüdlichen Arbeitsprozessen seine Auswahl zwischen dem, was behalten wird - "Materialisierung" in festen Eiweißstrukturen - und anderem, das aussortiert, weggeworfen wird." (Katharina Zimmer: Warum Babys und ihre Eltern alles richtig machen)



 

Dem REM-Schlaf gegenüber liegt der Nicht-REM-Schlaf (= Tiefschlaf = Erholungsschlaf). Erst ab 6. Lebensmonat sind alle vier Stufen des Tiefschlafes erkennbar, der REM-Schlaf hat sich nach hinten verlagert und beginnt jetzt 2-3 Std. nach dem Einschlafprozess. 
Nacheinander werden im Nicht-REM-Schlaf vier Stufen (vgl. Treppe) durchlaufen; auf Stufe 3 + 4 wird die Atmung tief und sehr ruhig, das Herz schlägt gleichmäßig und das Gehirn ruht sich aus. Die für den Organismus wichtige totale Entspannung, Regenerierung und Erholung setzt ein.

 



Nach ca. 60 - 90 Min. wachen Schlafende kurz auf. Säuglinge tun dies kund durch „nesteln und grubeln im Bettchen“. Manchmal verbunden mit Schmatzen, leichtem Aufweinen und kleinem Meckern, kleine Lageveränderungen bis hin zu einmal durchs Bett robben, irgendwann evtl. Reden, Schreien, Rufen etc. Idealerweise folgt ein erneutes Absacken in den Tiefschlaf. 



Veränderungen mit dem 6. Lebensmonat

Nach dem 6. Lebensmonat ist ein Säugling – medizinisch und entwicklungspsychologisch gesehen – erst so weit, dass er die „Grundvoraussetzungen für ein ganznächtliches Durchschlafen“ erfüllen kann, d.h. er kann trotz natürlichem Aufwachen, ohne elterliche Mithilfe selbst weiterschlafen. Schläft ein Kind in dieser Altersgruppe jedoch noch nicht durch, so ist dies keineswegs besorgniserregend und kann sich jederzeit ohne Zutun verändern. 



 

Die häufigste Beobachtung der Eltern ist, dass ihr Kind mindestens einmal bis x-mal aufwacht. Auch dieses ist für die Altersgruppe der über 6-monatigen Kinder nicht ungewöhnlich, wirkt sich jedoch auf die Belastbarkeit der betroffenen Eltern nachteilig aus. So könnte es notwendig werden sich hinsichtlich der individuellen Schlafentwicklung wie auch der familiären Schlafgewohnheiten Gedanken zu machen um eventuell nach Abhilfen zu forschen.

 



Die natürliche Schlafentwicklung ist ganz oberflächlich betrachtet so zu beschreiben: In der Zeit nach der Geburt befindet sich das Neugeborene in der Tag-und-Nacht-Gleiche. D.h. es wacht und schläft entsprechend seiner Bedürfnisse und kommt zum Stillen egal um welche Uhrzeit. Schon sehr früh kann sich hier ein „Durchschlafen“ einstellen. Die meisten Säuglinge kommen jedoch mehrfach in der Nacht und lassen sich nur durch Füttern beruhigen. Mit den voranschreitenden Monaten nimmt die Häufigkeit des nächtlichen Aufwachens meist ab oder die Kinder verlangen nicht mehr bei jedem Aufwachen das Füttern, sondern lassen sich vielleicht mit einem Schnuller über die nächsten 1,5 Stunden hinwegtrösten. Je nach Gewohnheit entwickeln die Kindern irgendwann um den 7. Lebensmonat die Fähigkeit allein einschlafen und „durchschlafen“ zu können.





Umgekehrt ist es aber auch möglich, dass viele Kinder, die schon einige Wochen auf die Unterstützung der Eltern verzichtet haben, nun um den 6. Lebensmonat herum verstärkt deren Anwesenheit einfordern. 
Weiterhin kann es sein, dass ein Kind noch nie alleine eingeschlafen ist und schon immer in der Nacht mehrfach elterliche Aufmerksamkeit eingefordert hat. Es ist nun nach einem halben Jahr eine liebgewonnene Angewohnheit, die es auf keinen Fall missen möchte. Vieles ist möglich, vieles ist der natürlichen Entwicklung entsprechend.



Gibt es Schlafstörungen bei Säuglingen? 


Es gibt auf jeden Fall klinische Bewertungskriterien, die den kindlichen Schlaf definieren. Die individuelle Beurteilung der Eltern, die durch die nächtlichen Aktionen des Kindes betroffen sind, ist jedoch letztendlich ausschlaggebend! D.h. eine Schlafstörung liegt nur dann vor, wenn sie als solche von den Betroffenen empfunden wird!

 



"Über Jahrtausende lebte der Säugling in der Nähe der Mutter, die meiste Zeit sogar in engem Körperkontakt mit Vater und Mutter. Mit Beginn des Industriezeitalters setzte eine tiefgreifende Veränderung ein (...) Die Eltern begannen, den Säugling während des Tages über Stunden abzulegen und nachts in einem separaten Zimmer schlafen zu lassen. Diese Sitte ist etwa 150 Jahre alt (...) In der westlichen Welt müssen wir uns ernsthaft fragen, ob unser Umgang mit dem Säugling seinem Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit gerecht wird (...) Säuglinge, die vermehrt herumgetragen werden, schreien in den ersten drei LM weniger, als diejenigen, die einen Großteil der Zeit allein in ihrem Bettchen verbringen (...) Es liegt an den Eltern herauszufinden, welche Schlafsituation ihnen und ihrem Kind am besten entspricht (...) Vom separaten Zimmer für das Kind über die Wiege im elterlichen Schlafzimmer bis zum Kind im Elternbett. Die Schlafsituation ist dann richtig, wenn Kind und Eltern entspannt schlafen können."
( Remo Largo – Das Babyjahr)

 



Besser beschreiben lässt sich, ob ein Kind ausreichend Schlaf hat:

  • Ein Kind hat dann ausreichend Schlaf, wenn sein Wachzustand ausgewogen und zufrieden aktiv ist!

  • Ein Kind mit zu wenig Schlaf äußerst sich durch vorzeitiges oder andauerndes Quengeln, Unausgeglichenheit, Instabilität der Emotionen, mangelnde oder fehlende Spiellust etc.
     

Schlafmangel, Stress & Alltags-Irrtümer

Schlafmangel verursacht somit beim Säugling eine wachsende Unfähigkeit im Alltag zurecht zu kommen und den Erwartungen der Eltern zu entsprechen und deutliche Anzeichen von Stress durch die bestehende Übermüdung ( Überstrecken, Schreien, Hinfallen, Schlafprobleme).



Das Zusammensein mit einem gestressten Kind wird zunehmend schwieriger und führt zu Missverständnissen und Irrtümern in der Eltern-Kind-Interaktion, z.B.

  • „Ein schreiendes Kind hat Hunger.“ Hunger kann natürlich ein Grund für heftiges verlangendes Schreien sein. Ein hungriges Kind nimmt dankbar und hastig das Nahrungsangebot. Ein müdes Kind verweigert dagegen oft das Essen. Ein müdes und hungriges Kind sucht eher den Schlaf oder braucht nur eine kurzes beruhigendes Still-Angebot um schlafen zu können

  • "Säuglinge müssen im Hellen schlafen können, sonst kommen Tag und Nacht durcheinander.“ Viele Säuglinge brauchen die Dunkelheit um ihr großes Interesse an der Umwelt ausblenden zu können. Am Tag angebotene Dunkelheit bringt keine Tag-und-Nacht-Gleiche, sondern hilft dem Kind zu entspannen.

  • "Kleine Kinder müssen überall schlafen können." Je nach Typ und Veranlagung kann sich ein Mensch schnell oder langsam, überall oder nur in seinem gewohnten Rahmen entspannen. Manche Kinder verlangen sogar stets ihr eigenes Bett, um sicher und vertraut einschlafen zu können.


Klärungsbedarf und -wunsch mittels eines Beratungsgespräches kann sich auf den Alltag mit dem Kind nur günstig auswirken und hilfreich sein. Eltern haben nicht versagt, wenn ihr Kind nicht so schläft wie andere Kinder und müssen daher auch keine Ängste vor Beratung zeigen.
 

 

Essen & Gedeihen

Ob Sie Ihr Kind stillen, mit der Flasche ernähren, auf Milchprodukte im 1. Lebensjahr verzichten möchten, Fleischgläschen ab dem x-ten Monat zufüttern oder schon auf Alltagskost umstellen – das alles steht nicht im Vordergrund bei dem Thema ob ein Kind ausreichend und gesund ißt!

Von Bedeutung ist, dass wir Eltern für das Gedeihen und Wachsen, für die körperliche und geistige Gesundheit unseres Kindes in der Verantwortung stehen und besonders in den erstwn Lebensmonaten oftmals hohe Überforderung und Belastung erleben:

  • 
"Reicht die Milchmenge beim Stillen aus?"

  • "Wird mein Kind satt?"

  • "Welche Flaschenmilch soll ich nehmen?“

  • "Wie füttere ich zu und was wähle ich?"

  • "Was darf mein Kind bekommen, in welchem Alter und was nicht?"

  • "Hängen die Haut-, Verdauungs-, Schlafprobleme meines Kindes mit der Nahrung zusammen?"


Ernsthafte Probleme mit und bei der Nahrungsaufnahme sind selten!



 

Die jeweilige Essmenge eines Kindes ist individuell zu betrachten. Es gibt Kinder, die extrem sparsame Esser sind, und es gibt Kinder, die Erwachsenenportionen mühelos vertilgen. Im Rahmen allgemeiner Beurteilungen, Vorsorgeuntersuchungen, Gesprächen zwischen Eltern etc. kann es zu Missverständnissen, Fehlinterpretationen oder gar Angstsituationen kommen, die Eltern stark verunsichern und sich dann auf die Eltern-Kind-Interaktion in der Fütterungssituation beeinflussen.

 



Manche Kinder

  • verweigern ausdauernd das Angebot des Löffels oder der Flasche.

  • zeigen kein Interesse an Getränken.

  • ernähren sich mit besorgniserregenden Minimalmengen.

  • wollen oder vertragen das eine oder andere Nahrungsangebot nicht.

  • haben ein gerötetes, schuppiges evtl. juckendes Hautbild usw.

  • essen extreme Mengen und hören nicht auf.

  • sind „zu dünn“ oder „zu dick“.
     

Sollten Sie durch derartige Beobachtungen bei Ihrem Kind besorgt nach Ideen und Lösungsansätzen suchen, kann eine Beratung hilfreich und unterstützend sein.

Welche Bedeutung hat das Stillen?

STILLEN ist die natürliche Ernährungsform für den Menschen, da sie z.B. keine Gewöhnung des Darmes an Fremdspeise voraussetzt. Stillen muss aber nicht zwangsläufig problemfrei sein.

  • Der mütterliche Körper braucht Zeit und Ruhe um sich auf diese Schwerstarbeit einzulassen.

  • Blähungen beim Kind können trotz aller Vorsichtsmaßnahmen durch aufgeregtes Atmen oder Stillunruhe des Säuglings entstehen.

  • Nächtliches Aufstehen und die Tatsache allein für die Ernährung des Kindes verantwortlich zu sein brauchen Kraft und Durchhaltevermögen.
     

Für die Mutter sollte das Stillen nicht aus Zwang geschehen, sondern schmerzfrei sein, entspannt geschehen und mit Spaß zu tun haben.

Flaschennahrung



FLASCHENNAHRUNG ist immer auf Kuhmilchbasis angepasste Säuglingsernährung (Ausnahme: Allergienahrung aus der Apotheke). Die Flaschenmilch der gängigen Anbieter ist ein vollwertiger Ersatz zum Stillen und wird von den meisten Kindern gut vertragen. Gelegentlich können Hautirritationen, Blähungen und kleine Unverträglichkeiten auftreten, die meist jedoch wieder verschwinden und nichts mit Allergie zu tun haben. Soja und Mandelmilch etc. sind kein Ersatz, sondern können - gedankenstrich vor allem in den ersten Lebensmonaten – ein hohes Allergierisiko beinhalten. Eher wären hier Stuten, bzw. Ziegenmilch zu empfehlen. H.A.-Ernährung heißt nicht Schutz vor Allergien, sondern bedeutet eine kleinste chemische Aufspaltung des Kuhmilcheiweißes, das jetzt als Fremdeiweiß nicht mehr erkannt werden soll.



 

Wichtig ist die gewissenhafte Pflege durch regelmäßiges Auskochen (bzw. Sterilisieren – Achtung Chlor!) der bevorzugten Glasflasche (!); später wird Reinigen in der Spülmaschine möglich.

 



In manchen Städten Deutschlands ist das Leitungswasser von höchster Qualität, ansonsten greift man auf speziell gekennzeichnetes kohlensäurefreies Wasser zurück. 
Vorbereitete Flaschen dürfen nicht im Kühlschrank aufbewahren werden! Schon angerührte Milch darf nicht wieder erwärmt werden! Wichtige Inhaltsstoffe der Kuhmilch werden durch die Mikrowellenzubereitung zerstört!

Das erste Zufüttern



DAS ERSTE ZUFÜTTERN kann ab dem 4. Lebensmonat geschehen, aber auch gut bis zum 6. Lebensmonat warten. Es gibt keinen medizinischen Grund für ein frühes oder spätes Zufüttern. Der Start sollte spielerisch und ohne Zwang geschehen. Das Nachstillen kann lange ein Thema bleiben, ebenso die Flasche danach.

 



Evtl. braucht das Kind Zeit das Angebot als Nahrung zu erkennen, den Löffel als Essinstrument zu akzeptieren und „ganze Portionen“ zu essen. Das erste neue Nahrungsangebot sollte ca. 14 Tage beobachtet werden (Verdauung, Wohlbefinden, Haut). Weitere Angebote können dann schneller erfolgen.
 Das Kind bestimmt die Essmenge, die Essdauer und Leidenschaft mit der es sich dieser neuen Tätigkeit widmet. 
Brei ist nicht notwendigerweise der Hit der Kinder, manche wollen gleich an den elterlichen Tisch.


Die Angebotsvielfalt scheint in Deutschland einmalig und ist manchmal stark irritierend. Hier kann nur ein Spaziergang durch die Lebensmittelregale helfen, ein Vergleichen der Inhaltsstoffe und ein Abwägen: Was will ich meinem Kind anbieten? 
Denn Zufüttern ist von der eigenen Ernährungsphilosophie abhängig, hat jedoch einige wenige Gesetzmäßigkeiten zu befolgen:

  • Vorsicht mit Gluten vor dem 7. Lebensmonat!

  • Keine Rohkosternährung! Keine Vollkornernährung!

  • Achtung: Zuckergehalt vieler Nahrungsmittel (auch Zuckerersatzstoffe!).

  • Natürliche Nahrungsmittel statt Fertigprodukte, Convenience, Baby-Fast-Food, Quetschies und ähnliche Angebote.
     

 

Das 1. Lebensjahr

Ab dem Moment der Geburt unseres Kindes betreten wir unbekannten Raum und gehen neue Wege. Die Vorbereitung in Schwangerschaftskursen, das Lesen entsprechender Literatur und auch der Konsum einschlägiger TV-Sendungen kann uns nur einstimmen, aber vermittelt uns nichts von der Tragweite der Veränderung: 



  • Die veränderte Partnerschaft, die kaum noch Platz für gelebte Zweisamkeit aufweist.

  • Der Wechsel vom eigenen Kind-Sein zum jetzigen Kind-Haben.

  • Das kleine, zarte, zerbrechliche Neugeborene, das mit nur einem Schrei uns Dinge tun lässt, die wir vielleicht nie geübt haben und die wir vielleicht auch nie für möglich gehalten haben. 


  • Das Zusammensein mit unserem Säugling, das Unsicherheiten, Zweifel und Ängste aufkommen lassen kann und der sich als charakterstarke Persönlichkeit offenbart. 


  • Die Tatsache, dass unser altes Leben in diesem neuen kaum noch Platz findet.

 

Auch wenn keine Probleme bestehen, könnten Sie Beratung und Begleitung vor allem in den ersten Lebensmonaten Ihres Kindes erfahren wollen, denn unsere moderne Lebensweise bietet für viele junge Familien keinen Rückhalt in ihren Herkunftsfamilien. Auf den Beruf „Eltern“ können wir uns nur unvollständig vorbereiten. Bei der verantwortungsvollen Arbeit mit und an unserem Kind fühlen wir uns oft allein gelassen und erleben Unsicherheit.

 



Gespräche über die natürliche Entwicklung der Kinder, unsere naturgegebene Begabung Kinder zu lieben und zu begleiten, das Erlernen der "Säuglingssprache" und einer gelungenen Eltern-Kind-Interaktion können unterstützen und sichern. Verschiedene hilfreiche Verhaltenshinweise im Umgang mit Säuglingen sind die Basis für die Gestaltung des Lebensalltages und können in fortlaufenden Kontakten erarbeitet und wahrgenommen werden.

Wie wichtig ist der Kontakt zum Baby

Der Mensch ist ein soziales Wesen. 
Für sein Wohlbefinden braucht er ein Gefühl der Geborgenheit. Diese entsteht über die Sicherheit: „Ich bin nicht alleine!“


 

Kommunikation entwickelt sich mit den ersten Sekunden nach der Geburt: Blickkontakt, „Ammensprache“, Tragen und Halten, Trösten und Schmusen, Beantworten des Schreiens etc. können frei von Sprache sein und sind die Basis für das kindliche Urvertrauen. Während der ersten Lebensmonate empfindet sich der Säugling als ein Teil von uns, erst Mitte des 2. Lebensjahres nimmt sich das Kind und andere Menschen als eigenständige Personen wahr. 



 

Die ersten drei Lebensmonate dienen Eltern und Säugling der Orientierung, dafür brauchen sie Zeit und Ruhe. Nach dem 3. Lebensmonat orientiert sich das Kind zur Umwelt hin. Sein Blick wird klarer und es verfolgt interessiert Personen, Bewegungen und Gegenständen. 
Doch bereits in den ersten Lebensmonaten vermag das Kind zwischen vertrauten und fremden Personen zu unterscheiden: Körperempfindung, Geruchsinn, Gehör und Augen helfen dabei. Unsere Kinder entwickeln schon sehr früh eigene Interessen und sind bestrebt diese zu verwirklichen. Jedoch müssen wir noch nicht an grenzsetzende Erziehung denken. Nähe, Liebe und Aufmerksamkeit geben, ohne die eigenen Bedürfnisse außer Acht zu lassen, sind die Zaubermischung.

Die Bewegungsentwicklung geht los

In den ersten Lebensmonaten lernt das Kind seine Körperhaltung gegen die Schwerkraft einzurichten. Durch entsprechende Halte-, Trage- und Bewegungstechniken (vgl. PEKiP, Emmi Pikler...) können wir unser Kind bei dieser anstrengenden Tätigkeit unterstützen. 
In der zweiten Hälfte des 1. Lebensjahres beginnt es, sich fortzubewegen. Die Bewegungsentwicklung ist im Wesentlichen ein Reifungsprozess – er kann nicht beschleunigt, aber behindert werden (vgl. Beller-Tabelle).



Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Tempo der motorischen Entwicklung und demjenigen anderer Entwicklungsbereiche. Ein Kind, das sich motorisch langsam entwickelt, kann sprachlich weit fortgeschritten sein und umgekehrt. 
Der Start in die Bewegungsentwicklung, die Fortbewegungsart und das Alter, in welchem die verschiedenen Entwicklungsstadien auftreten, sind von Kind zu Kind verschieden. So machen viele Kinder ihre ersten Schritte im 12. bis 14. Lebensmonat, einige schon im 8. bis 10. Lebensmonat und andere erst im 18. bis 20. Lebensmonat.

Spielen ist wichtig

Im Spiel (= jeder Kontakt mit aufmerksamen Eltern) macht das Kind Erfahrungen, die für seine soziale, geistige und sprachliche Entwicklung bedeutungsvoll sind. Der Inhalt eines Spieles wird durch das Kind bestimmt und ist lustbetont. Spielen hat nichts mit Einüben oder Antrainieren zu tun, es ist altersspezifisch und entspricht seinem jeweiligen Entwicklungsstand. 
Kinder spielen um angeborene Verhaltensweisen einzuüben, sich selbst auszuprobieren und eigene Ziele zu verwirklichen, Erfahrungen über die Eigenschaften der Umwelt zu sammeln. Sie versuchen, Handlungsabläufe und Verhaltensweisen zu verstehen, sich den funktionellen Gebrauch von Gegenständen anzueignen, soziale und sprachliche Fähigkeiten durch Nachahmung zu erwerben und Gesetzmäßigkeiten zu entdecken und zu verstehen. Bitte verzichten Sie in diesen sensiblen Momenten auf den Gebrauch medialer Angebote, elektronischen Spielzeugs und „Ruhig-Stell-Angebote“!

Die besondere Bedeutung von Mutter & Vater

Die Rolle der Erwachsenen besteht darin, ein Vorbild zum Nachahmen, ein interessierter und offener Spielpartner zu sein und entwicklungsgemäße Spielangebote und -anregungen zur Verfügung zu stellen.
Ein Spielzeug ist jeder Gegenstand, der für das Kind interessant und ungefährlich ist. Haushaltsgegenstände, bzw. Gegenstände des täglichen Umgangs, sind für die meisten Kinder weitaus attraktiver, als teuer erworbenes pädagogisch wertvolles Spielmaterial. 



 

Der Inhalt der meisten Spiele ist die Kommunikation miteinander. Die menschliche Kommunikation umfasst die Körpersprache und die Sprache im engeren Sinne. Die Körpersprache regelt den Umgang mit anderen Menschen. Körperhaltung und -bewegung, Mimik, Blickverhalten, Berührung und Geruch werden wahrgenommen und analysiert und geben dem Kind Handlungssicherheit. 
Die beste Sprachförderung ist eine ausgewogene und teilhabende Beziehung zum Kind. Die Welt muss erklärt und für das Kind erlebbar werden.
Bitte gehen Sie aktiv in den Kontakt zu Ihrem Kind ohne es zu überfluten. Ein jederzeit „Abrufbar-Sein“ durch ein Handyklingeln behindert diese freie Interaktion. Es geht hierbei nicht um eine perfekte andauernde Präsenz für das Kind, sondern um eine klare Erkennbarkeit Ihrer Verfügbarkeit oder auch um eine ebenso klare Abgrenzung.

 

Babyblues & Postnatale Depression (PND)

Nicht nur die Neugeborenen können Startprobleme haben!
Der sogenannte "Baby-Blues" kann die Mütter noch während des Krankenhausaufenthaltes treffen, in der Regel ca. um den 3. Tag nach der Geburt.
Egal ob es eine anstrengende oder entspannte Geburt war, egal ob Sie sich auf das Baby gefreut haben und erwartungsvoll positiv in die Zukunft schauen und/oder egal ob Sie Ängste und Sorgen begleiten: Die Geburt eines Kindes ist immer eine einschneidende Veränderung im tatsächlichen Leben, wie auch in der individuellen Wahrnehmung.

  • Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie die plötzliche allumfassende Verantwortung erdrückt

  • Wenn Sie bei sich und/oder Ihrer Partnerin unerklärliche dunkle Gefühle wahrnehmen, Mattigkeit und Interesselosigkeit den Tag bestimmen

  • Wenn Aggression und Fremdheit in Ihrer Partnerschaft entstehen

  • Wenn etwas auftritt, das Sie befremdet, irritiert und das Sie so noch nicht gefühlt und/oder gedacht haben
     

... dann holen Sie sich aktiv Hilfe!



Vielleicht können Ihnen folgende Definitionsansätze hilfreich sein:

Der Baby-Blues



"Postpartales Stimmungstief", auch Baby-Blues genannt, tritt in den ersten 10 Tagen nach der Entbindung auf. Ungefähr 50-80% Prozent der Mütter sind hiervon kurzfristig betroffen. Typische Kennzeichen können sein:

  • Traurigkeit und häufiges Weinen

  • Empfindsamkeit und Stimmungsschwankungen

  • Müdigkeit und Erschöpfung

  • Schlaf- und Ruhelosigkeit

  • Ängstlichkeit und Reizbarkeit

  • Konzentrationsschwierigkeiten
     

Postpartale Depression


"Postpartale Depression" kann jederzeit im 1. Jahr nach der Entbindung entstehen. Dabei sind graduelle Abstufungen von leicht bis schwer zu unterscheiden. Typisch ist eine schleichende Entwicklung. Ungefähr 10-20% Prozent aller Mütter sind hiervon betroffen. Typische Kennzeichen können sein:

  • Müdigkeit, Erschöpfung und Energiemangel

  • Traurigkeit, häufiges Weinen

  • Schuldgefühle

  • Inneres Leeregefühl

  • Allgemeines Desinteresse und sexuelle Unlust

  • Zwiespältige Gefühle dem Kind gegenüber

  • Konzentrations-, Appetit- und Schlafstörungen

  • Kopfschmerzen, Schwindel, Herzbeschwerden, andere psychosomatische Beschwerden

  • Ängste, extreme Reizbarkeit, Panikattacken, Zwangsgedanken (wiederkehrende destruktive Vorstellungen und Bilder)

  • Suizidgedanken
     

Postpartale Psychose

"Postpartale Psychose" entsteht vorwiegend in den ersten zwei Wochen nach der Entbindung, kann sich aber auch aus einer Depression entwickeln. Sie gilt als die schwerste Form der nachgeburtlichen Krisen und kommt bei 1-3 von eintausend Müttern vor. Es lassen sich folgende Formen unterscheiden:
 

  • manisch => starke Antriebssteigerung, motorische Unruhe, Verworrenheit, Wahnvorstellungen

  • depressiv => extreme Angstzustände, Antriebs-, Bewegungs- und Teilnahmslosigkeit

  • schizophren => Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Antriebsarmut

 

"Die Ursachen für diese postpartalen Reaktionsformen sind individuell verschieden, da biologische, psychische, soziale und gesellschaftliche Faktoren in unterschiedlicher Gewichtung zusammenfließen.“ (Schatten & Licht – Krise nach der Geburt e.V.) 

Sollten Sie Fragen haben, Hilfe brauchen oder jemanden kennen, der Hilfe braucht, scheuen Sie sich nicht diese auch in Anspruch zu nehmen. Sprechen Sie Ihre*n Gynäkolog*in, Ihre Geburtshelfer*in, Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin oder die Entbindungsklinik an.


Scheuen Sie sich nicht Hilflosigkeit zu signalisieren und Unterstützung einzufordern!

High-Need-Baby / Schreibaby / „Tragling“
Gibt es da Unterschiede?

…und was ist mein Kind?

Dr. William Sears arbeitete intensiv mit hilfesuchenden Eltern u.a. in Toronto. Er publizierte zum Thema „High-Need-Babys“ und bietet Informationen unter dem Internetangebot „AskDrSears“.
Prof. Dr. Mechthild Papousek arbeitet und forscht intensiv zur Thematik der frühen Kommunikation zwischen Eltern und Kind, den frühkindlichen Regulationsstörungen und dem exzessiven Schreien bei Säuglingen (Schreibaby) in München.
Den Begriff „Tragling“ verwende ich sehr gerne in meiner Praxis, da er ein zusätzliches Säuglingsverhalten beschreibt: Wird das Kind getragen ist es zufrieden, wird es abgelegt beginnt es intensiv zu schreien. Der Unterschied zum Schreibaby besteht darin, dass das Schreibaby auch getragen nicht zur Stabilisation finden kann. Der Begriff „Tragling“ wurde 1970 von B. Hassenstein geprägt.

Was ist ein High-Need-Baby?

(Beschreibung nach Dr. William Sears)

1. Eine intensive Betreuung und Begleitung über das erste Lebensjahr hinaus:

Ab Geburt fordert das Baby heftig, laut und ausdauernd, dass es nicht abgelegt werden möchte, dass es sich nicht alleine beschäftigen oder einschlafen kann/möchte. Das Baby signalisiert unmissverständlich seine Notlage, die häufig von den Eltern nicht nachvollzogen werden kann. Manchmal zeigt das Baby ein typisches marmoriertes Hautbild, dass sich während der Aufregung noch verstärken kann. Die üblichen Beruhigungsversuche helfen nicht. Durch das heftige Schreien schluckt das Baby Luft, diese wiederum kann zu intensiven Bauchschmerzen führen. Auch als Kleinkind sind „High-Need-Babys“ fordernder und intensiver als Kinder im vergleichbaren Alter. Eltern unterstützen ihre Kinder in vielen unterschiedlichen Alltagsmomenten, d.h. die intensive Zuwendung endet meist nicht mit dem Säuglingsalter.


2. Das Baby wirkt körperlich unruhig und ist interessiert an vielen Umgebungsreizen:

Das Baby ist aktiv, intensiv interessiert, neugierig, wach, braucht ständig Abwechslung… es ist aber nicht hyperaktiv! Durch die hohe Muskelspannung startet das Baby oft früh in die Bewegungsentwicklung, ist dementsprechend unfallanfällig und neigt dazu sich zu überfordern. Die körperliche Unruhe kann z.T. durch Tragen im Tragetuch (nicht auf dem Arm!), bzw. durch Pucken zum Schlafen positiv beeinflusst werden. Es gibt aber auch „High-Need-Babys“ die jegliche Einengung massiv ablehnen, sich schreiend wehren und deswegen erst langsam an diese stabilisierenden Maßnahmen gewöhnt werden müssen.


3. Das „High-Need-Baby“ ist anstrengend für die Eltern:

Da das Baby viele Bedürfnisse hat und schnell ins Schreien kommt, sind die Eltern gezwungen non-stopp zu unterstützen. Deswegen kann es passieren, dass Mama/Papa Angst vor dem Stress der nächsten Schreiattacke entwickeln und nun versuchen alles zu tun um diese abzuwenden. Sie tragen, stillen („fläscheln“), halten, wiegen, liegen zum Schlafen,… und verausgaben sich total, denn Dauerstillen, Dauertragen, sich nicht vom Kind wegtrauen sind keine Seltenheit. Schnell kommen die Eltern an ihre Belastungsgrenze. Ein Teufelskreislauf und eine evtl. bleibende Belastung der Eltern-Kind-Beziehung kann entstehen. Spätestens wenn Eltern merken, dass „die Batterie leer ist“, dass sie den Spaß und die Freude am Zusammensein mit dem Säugling verlieren, dass ihnen die Zeit fehlt eigene Entspannung zu leben… - braucht das Familiensystem Hilfe.


4. Das Baby will nicht nur zum Essen an die Brust:

Der Start ins Stillen kann schwierig und herausfordernd sein. Irgendwann hat das unruhige und fordernde Baby aber verstanden wie es geht und genießt nun in erster Linie die Entspannung beim Stillen so sehr, dass es nicht mehr ohne Stillen/die kuschelige Nähe sein mag. Als Mutter muss ich nun prüfen: >>Schaffe ich Bedarfs-Stillen jederzeit egal wie lange – will ich das? Oder brauche ich für mich Abstände, Ruhe und erholende Distanz. Ich muss als Mutter eines „High-Need-Babys“ nicht zwangsläufig meine Bedürfnisse außer Acht lassen, jedoch wird mein Kind umso intensiver suchen, fordern, schreien.<< Das Füttern mit der Flasche ist nicht zwangsläufig die Lösung. Der Fokus liegt beim Flasche-geben allerdings auf dem Halten und Tragen, denn ein andauerndes „Fläscheln“ kann zu intensiver Gewichtszunahme führen.


5. Das Baby fordert und schreit:

Schreien ist das Kommunikationsmittel aller Babys. Ein „High-Need-Baby“ schreit meist intensiver, lauter, fordernder, eindringlicher – es lässt sich kaum ablenken, wird evtl. sogar noch hektischer, wenn Eltern seinem Bedarf nicht entsprechen. Es kann beobachtet werden, dass das getragene Kind sein Schreien einstellt, evtl. sogar schnell in ein Lächeln wechselt. Wollen die Eltern allerdings das Kind ablegen, kann das Schreien sofort wieder starten. Damit zeigt das Kind deutlich was es braucht: Körperliche Nähe. Das Baby fordert als ginge es um sein Überleben – es hat keinen Sinn für die Bedürfnisse von Mama/Papa. Es braucht extrem viel Zuwendung und körperliche Nähe um sich sicher zu fühlen. Erst in den folgenden Monaten/Jahren wird das Kind langsam entdecken und verstehen, dass Mama/Papa zuverlässig sind, dass es keinen Grund für Sorgen und Nöte gibt, dass es sich entspannen darf. Wichtig ist, kleine erkennbare Entwicklungsschritte in die Selbständigkeit positiv zu unterstützen, damit aus dem „High-Need-Baby“ kein „kleiner Tyrann“ wird.


6. „Kutscherschläfchen“ und Power-Napping:

Die meisten „High-Need-Babys“ schlafen am Tag kurz (ca. 20/30 Min.) und sind dann wieder aktiv. Das können sie mehrfach am Tag wiederholen. Problem: Sie kommen dadurch nicht in einen tiefen Erholungsschlaf, d.h. sie werden über den Tagesverlauf immer unruhiger und bedürftiger. So kann das abendliche Einschlafen einerseits recht gut gelingen, da das Kind vom Tag erschöpft und übermüdet ist; es kann aber andererseits auch zur Tortur werden, da das Kind über den Tag total überreizt und nun Beruhigungsangebote nicht mehr annehmen kann. Das Durchschlafen ist häufig auch ein großes Problem. Viele „High-Need-Babys“ wollen nur in körperlicher Nähe zu Mama/Papa oder vielleicht sogar auf Mama/Papa schlafen. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass „High-Need-Babys“ länger Unterstützung in der Schlafbegleitung grundsätzlich brauchen und sie sich schlechter in eine eigene Organisation des Schlafens einfinden, d.h. es kann den Eltern passieren, dass sie weit über das erste Lebensjahr hinaus am Bettchen sitzen oder sich sogar mit hinlegen müssen. Auch hier ist wieder zu prüfen: „Wie viel kann ich leisten? Oder werde ich vielleicht sogar ärgerlich und aggressiv?“


7. Unzufrieden? Warum eigentlich?:

Eltern selbst sind stark darauf angewiesen in einem positiven Kontakt mit ihrem Kind durch den Alltag zu gehen. Wenn das Kind Unzufriedenheit signalisiert, versuchen Mama/Papa alles damit ihr Kind glücklich ist. Gelingt das nicht, geraten Eltern schnell in Frustration. In der Regel beginnt nun ein hilfloses Suchen nach Lösungswegen und Mama/Papa probieren im kurzfristigen Wechsel tausendundeine Empfehlung aus. Dieser hohe Wechsel an Beruhigungsangeboten führt beim Kind schnell zu Überreizung oder bei älteren Kindern zum Phänomen alle die spannenden Angebote von Mama/Papa abzuwarten. Jeglicher Erfolg bleibt aus – das System läuft heiß. Erneut besteht die Gefahr, dass Eltern sich als schlechte Eltern empfinden und die Freude am Eltern-Sein/Kind verlieren.


8. Jeder Tag kann anders sein – jedes Hilfsmittel verbraucht sich:

Das Problem mit „High-Need-Babys“ ist die schwere Einschätzbarkeit ihres Befindens. Mal hilft etwas, mal nicht – mal lacht es, mal nicht (in der vergleichbaren Situation) – erst schreit es, plötzlich hört es auf oder umgekehrt. Das was heute funktioniert, klappt morgen vielleicht nicht mehr. Für die Eltern ist kein System zu erkennen – sie haben das Gefühl auf der Stelle zu treten, nichts hilft, sie fühlen sich alleine gelassen, die Überforderung und Erschöpfung nimmt zu, ein Lernen des Eltern-seins entsteht nicht. Das Ziel wäre es ist eine andere Ebene zu erkennen: Wenn Eltern es schaffen entspannt auf ihr Kind/auf die jeweilige Situation einzugehen, dann kann dem Kind Entspannung gelingen. Vielleicht hilft der Gedanke: Es geht hier nicht um Schuld, es geht hier nicht um „Ich mache etwas falsch“ – es geht um einen Reifeprozess, der im Kind ablaufen muss. Gelingt es den Eltern hier stabilisierend und beruhigend einzuwirken, kann dieser Prozess Stück für Stück anlaufen. Eltern helfen ihrem Kind die Stress-Spirale zu vermeiden!


9. Das Baby reagiert sehr sensibel und empfindsam – es ist leicht irritierbar:

Geräusche, Gerüche, Veränderungen, plötzliche Geschehnisse und vieles mehr, können dazu führen, dass das vorher zufriedene Baby intensiv zu schreien beginnt. Diese leichte Irritierbarkeit ist auf eine hohe Empfindsamkeit und ein offenes Reizsystem zurück zu führen. Im Säuglingsalter kann diese Konstellation für das Baby problematisch sein und führt zu Schreiattacken bei Überreizung, mit zwei Jahren zu massiven Trotzanfällen…; im weiteren Leben beinhalten dies aber auch besondere Fähigkeiten: Schnelle Auffassungsgabe, hohe Empathie, besondere Reflexionsfähigkeit etc. Das „High-Need-Baby“ braucht Zeit und es kann kompliziert sein sich täglich stabilisieren zu müssen, doch jede gelungene Alltagssituation ist ein kleiner Erfolg und diese kleinen Erfolge werden mit jedem Monat verlässlicher.


10. Das Bay lässt sich nicht ablegen:

Viele „High-Need-Babys“ wollen den ganzen Tagen getragen sein und dieses Tragen soll in Bewegung stattfinden. Hier genau setzt die Idee zum „Tragling“ an, d.h. das Kind spürt >>Wenn ich hingelegt werde, bedeutet dies Gefahr. Werde ich getragen und der Erwachsene ist in Bewegung, dann können wir die Gefahr fliehen.<< Ein archaisches Muster – ein kleines „Steinzeit-Baby“. Und: Nichts Außergewöhnliches! Interessanterweise kennen tragende Kulturen in Afrika oder Südamerika dieses Phänomen des schreienden Säuglings nicht, da im Erziehungs- und Begleitungskonzept das Tragen selbstverständlich ist. Wenn Eltern einen „Tragling“ haben, sollten sie auf jeden Fall Tragehilfen in Anspruch nehmen, zum einen für die eigene Körpergesundheit, zum anderen um dem Baby zu zeigen >>Ich bin für dich da – jederzeit – aber ich als Erwachsener definiere die Bedingungen.<< Es gibt aber auch „High-Need-Babys“, die die körperliche Enge und Berührung ablehnen, die schwierigste Gruppe der „High-Needs“. Hier brauchen Eltern besonders viel Geduld und Einfühlungsvermögen, denn sie müssen ihr Kind an die hilfreiche Nähe und Unterstützung durch Berührung gewöhnen. Besonders anstrengend wird es außerdem für Eltern, wenn das Baby in der Nacht nur auf Mama/Papa schlafen möchte – hier hilft Pucken.                                    
11. Das Baby braucht die Eltern als „Emotionscoach“ – es kann sich nicht selbst beruhigen:

„High-Need-Babys“ brauchen viel Zeit, manchmal Monate oder Jahre um die Selbstberuhigung mühsam zu erlernen. Besonders beim Thema Schlafen macht sich das deutlich. Hilfsmittel, wie Schnuller, Schmusetier, Schmusetuch, Spieluhr… helfen in der Regel bei einem „High-Need-Baby“ wenig bis gar nicht – sie wollen/brauchen die Unterstützung und Interaktion mit Mama/Papa. Die besonders anstrengende Begleitung in den Nachtschlaf fordert hier viel elterliche Energie und evtl. müssen Eltern sich Unterstützung und Beratung holen. Sicher ist: Babys in den Schlaf weinen zu lassen ist kein Weg. Es ist vielmehr die Aufforderung zu Stress, Angst und Unruhe – grundsätzlich bei jedem Kind. Es lohnt sich aber liebevoll und bewusst den Umgang in den nächtlichen Schlaf zu begleiten und zu unterstützen – ein sehr großes Extra-Thema!


12. Trennung ist eine Veränderung – High-need-Babys mögen keine Veränderungen (Übergänge):

Veränderungen bedeuten massiven Stress. Das ist normal, das geht jedem Kind/Erwachsenen so, besonders wenn es sich um Trennung handelt. „High-Need-Babys“ haben eine geringe Stresstoleranz, d.h. ihnen fallen Veränderungen, Übergänge, Abgabe an Dritte besonders schwer. Aus der Sicht des Babys bedeutet das Zusammensein mit Mama/Papa Symbiose - es kann sich gar nicht vorstellen, dass es auch noch andere stabilisierende Angebote gibt. Das Phänomen der „Trennungsangst“ beschreibt hier einen ganz natürlichen Ausdruck und hat nichts mit „sozialen Ängsten“ und Anpassungsstörungen zu tun. Es ist vielmehr absolut normal und betrifft nicht nur „High-Need-Babys“. Natürlich haben auch Mamas/Papas Sorgen, wenn sie ihr Kind in die Fremdbetreuung geben. Alles gut – alles normal. Bei einem „High-Need-Baby“ kann es aber bedeuten, dass es sehr viel Sinn macht, wenn Eltern/Erzieher*innen für die Eingewöhnung in die KITA mehr Zeit einplanen.

Bin ich Mutter/Vater von einem High-Need-Baby? Wie geht es mir damit?

Ich empfinde Überforderung – Ich weiß manchmal nicht mehr wie ich den Tag bewältigen soll – Ich habe keine Lust mehr auf mein Kind – Ich fühle mich als schlechte*r Mutter/Vater – Ich werde meinen anderen Kindern nicht gerecht – Ich kann meine Partnerschaft nicht mehr leben – Ich habe keine Freiräume für mich…
Wichtig: Vielleicht ist mein „High-Need-Baby“ ein Schreibaby, vielleicht aber auch „nur“ ein „Tragling.“ Eigentlich ist es nur wichtig, dass ich erkenne: Ich kann es aktuell, sofort nicht verändern – ich brauche Strategien um den Alltag mit meinem Kind zu bewältigen.

 

  • Ausreichend eigener Schlaf, d.h. „Kid-Sharing“

  • Ausreichend körperliche Versorgung, d.h. regelmäßig essen und trinken

  • Bei erhöhter Belastung Kind trotzdem abgeben

  • Liegt bei mir/bei meiner Partnerin eine postnatale Depression vor?

  • Habe ich eine Erschöpfungs-Depression?

  • Das Kind auf keinen Fall schütteln, hart ablegen oder alleine lassen

  • Hilfe holen – Hilfe annehmen